Eine neue nachhaltige biologische Methode zur Bekämpfung der
Tigermücken in Deutschland
Eine neue biologische Methode zur Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke in einem integrierten Bekämpfungsprogramm stellt den Einsatz von Hüpferlingen dar - Kleinkrebse, die zu den Ruderfußkrebsen (Copepoda) und zur Gattung Cyclops zählen. Wie der in der griechischen Mythologie beschriebene Zyklope, besitzt der Kleinkrebs nur ein mittelständiges Auge, weshalb die Gattung als „Cyclops“ bezeichnet wurde. Hüpferlinge heißen sie, weil sie sich durch Schlagen ihrer Antennen ruckartig durchs Wasser bewegen. Hüpferlinge wurden bereits erfolgreich in Routineprogrammen z.B. in Vietnam bei der Bekämpfung der Gelbfiebermücke Aedes aegypti eingesetzt. In Europa kam der Einsatz nie über Labor und kleinere Freilandversuche hinaus. Der großflächige Einsatz in Europa scheiterte in der Regel an der Massenzucht der Kleinkrebse. Im Rahmen eines Forschungsprogramms (CuliFo3), gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, sollten geeignete einheimische Hüpferlinge zum Einsatz gegen Aedes albopictus identifiziert und die Grundlagen für eine Massenzucht gelegt werden.
In Labor- und Feldversuchen erwies sich der einheimische Megacyclops viridis als der ideale Fressfeind für Erstlarven der Tigermücken (Pauly et al. 2020). Er bringt alle Eigenschaften mit sich, die für einen großflächigen Einsatz gegen die Tigermücken im urbanen Bereich erforderlich sind. Dies sind:
- Es ist ein weitverbreiteter einheimischer Kleinkrebs, sodass es beim Aussetzen in Regenfässern, Gullys und ähnlichen Massenbrutstätten der Tigermücken nicht zur Faunenverfälschung und Beeinflussung der Biodiversität kommt. Dies ist die Voraussetzung für eine naturschutzrechtliche Genehmigung.
- Megacyclops viridis ist ein robuster Organismus, der unter vielen unterschiedlichen Lebensbedingungen existieren kann. Das erleichtert ebenfalls die Zucht.
- Er ist bezüglich seiner Nahrung nicht wählerisch. Er tötet und vertilgt sowohl Erstlarven der Tigermücken und frisst auch Einzellige Organismen wie Pantoffeltierchen oder Mikroorganismen, wenn keine Stechmückenlarven vorhanden sind.
- Der Kleinkrebs hat eine hohe Vermehrungsrate und weist eine schnelle Entwicklung vom Schlüpfen als Nauplius-Larve bis zum adulten Krebs auf. Diese Eigenschaft unterstützt das Massenzüchten der Kleinkrebse.
- Einige Angaben zur Biologie von Megacyclops viridis
Was sind Copepoden bzw. Hüpferlinge?
Die sogenannten Ruderfußkrebse (Copepoda) sind eine Unterklasse der Krebstiere (Crustacea) und kommen mit ca. 13.000 Arten sowohl marin (wichtiges Zooplankton im Meer) als auch in Süßgewässern vor. Zu ihnen zählen die Cyclops-Arten. Es sind Kleinkrebse, die meist weniger als 2,5 mm messen. Sie leben von Algen, Einzellern und sind oft räuberisch. Die Gattung Cyclops wird wegen ihrer Fortbewegungsweise durch das Schlagen der ersten Antenne „Hüpferlinge“ genannt. Cyclops werden sie wegen ihres mittelständigen Einzelauges genannt, was auf die Zyklopen, aus der griechischen Mythologie, hinweist.
Cyclops-Arten besiedeln weltweit vorwiegend stehende Süßwassergewässer. In Mitteleuropa gibt es etwa 20 Arten. Die Weibchen heften am ersten Hinterleib-Segment ihre zwei Eisäckchen mit ca. 30 Eiern/Säckchen an. Aus denen schlüpfen nach wenigen Tagen der Embryonalentwicklung die
Nauplien-Larven, die sich 6mal bis zum Copepoditstadium häuten. Copepodite häuten sich ebenfalls 6x bis zum Adultstadium. Manche Arten können mehrere Monate alt werden und auch ungünstige Lebensbedingungen in Schleimhüllen überleben.
Was macht den Hüpferling Megacyclops viridis zu einem erfolgreichen Fressfeinde der Tigermückenlarven?
Diese Kleinkrebse besitzen einen Killerinstinkt und töten im Labor innerhalb von 24 Stunden ca. 20 Erstlarven der Tigermücken ab. Sie zählen mit einer Größe von etwa 2,5 mm zu den größeren
Cyclops-Arten, weshalb sie Erstlarven der Tigermücken erfolgreich abtöten können.
Bitte schauen Sie sich das Video von Isabel Pauly an, das den Killerinstinkt der Kleinkrebse für Erstlarven von Aedes albopictus eindrucksvoll dokumentiert. Der Hüpferling lauert am rechten Bildrand und stürzt sich auf die vorbeischwimmende Erstlarve. Die Bewegung der Larve kann der Hüpferling durch Sinneshärchen, die die Wasserbewegung registrieren und wahrscheinlich auch visuell durch sein Zyklopenauge, feststellen.
Ein interessantes Merkmal ist, dass Megacyclops viridis die Erstlarven der Stechmücken zwar abtötet, aber nicht immer vertilgt, so dass er in kurzer Zeit zahlreiche Erstlarven eliminieren kann. In Freilandversuchen werden nahezu 100 % aller Erstlarven von Aedes albopictus in Fässern mit einer Hüpferling-Population über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis mindestens zwei Monaten abgetötet. Auffallend ist, dass lediglich die Erstlarven von Aedes albopictus sehr effektiv abgetötet werden. Dies ist den Größenverhältnissen der Hüpferlinge versus Larven der Stechmücken geschuldet. Die Adulten Megacyclops viridis Hüpferlinge sind etwa so groß wie die Stechmückenerstlarven. Größere Larvenstadien können sie nicht mehr abtöten. Larven der Hausmücke Culex pipiens werden weit weniger abgetötet, weil diese Larven sich im Gegensatz zu den Aedes albopictus Larven vorwiegend in den oberen Wasserschichten bewegen, während die Hüpferlinge meist in den tieferen Wasserschichten vorkommen.
Aus diesem Grund muss ein Massenbrutplatz wie ein Wasserfass zunächst mit Eiweißen von Bacillus thuringingiensis israelensis z.B. in Tabletten-Form (Culinex Tab plus) behandelt werden, um alle größeren Stechmückenlarven abzutöten. Danach werden die Hüpferlinge in das Fass eingesetzt. Die Bti-Eiweiße töten alle Stechmückenlarven ab und danach vertilgen die Hüpferlinge neu auftretende Erstlarven der Tigermücken meist über viele Wochen ab. Dies gewährt eine nachhaltige biologische Bekämpfung der Tigermücken. Da die Eiweiße von Bti innerhalb von zwei bis drei Wochen natürlich abgebaut werden, müsste man in regelmäßigen Intervallen von mindestens zwei bis drei Wochen mit Bti behandeln. Dies entfällt in den Fässern, in denen sich die Hüpferlinge befinden, sodass statt 4 Bti-Behandlungen nur eine oder zwei pro etwa 8 Wochen notwendig sind.
Warum können die Hüpferlinge in das bestehende
biologisch-mechanische Bekämpfungskonzept integriert werden?
In Labor- und Freilandversuchen wurden die Hüpferlinge hohen Bti-Konzentrationen ausgesetzt. Es zeigte sich, dass Bti keinerlei negative Auswirkungen auf die Hüpferlinge aufweist. Im Gegenteil in den mit Bti behandelten Gefäßen haben sich die Hüpferlinge stärker vermehrt als in den Bti-freien Gefäßen. Offensichtlich können sich die Hüpferlinge von den Bti-Eiweißen zusätzlich ernähren.
Bei der Brutplatzbeseitigung handelt es sich in aller Regel um Kleinstgefäße, in denen die Hüpferlinge nicht eingesetzt werden können.
In Regefässern empfiehlt es sich, diese nicht vollständig entleeren, sonst müssen die Tonnen neu besetzt werden. Im Freiland hat sich auch gezeigt, dass Hüpferlinge von einem Fass zum anderen verschleppt werden können, z.B. wenn die gleiche Gießkanne benutzt wird. Insofern können ggf. auch Fässer durch Verschleppen der Hüpferlinge neu beimpft werden. Man sollte einmal monatlich die Fässer trotz Hüpferling-Besatz mit Bti-Tabletten behandeln, um auch die Culex-Larven zu bekämpfen.
Wie werden die Hüpferlinge (Megacyclops viridis) eingesetzt?
Die Hüpferlinge werden in etikettierten Plastikbeuteln mit etwa 250 ml Zuchtwasser angeliefert. Sie sind so verpackt, dass sie keinen starken Temperaturschwankungen ausgesetzt sind. Die Säckchen enthalten ca. 200 adulte Hüpferlinge sowie ältere Copepoditstadien. Am besten die Hüpferlinge sofort nach Erhalt durch Aufschneiden des Plastiksäckchen im Regenfass freilassen. Man kann auch das Plastiksäckchen im Kühlschrank für einige Tage bei 6°C bis zum Beimpfen des Fasses lagern. In der Regel vermehren sich die Hüpferlinge in den Fässern. Im Routineeinsatz konnten nach drei Monaten noch in mehr als 60% der beimpften Fässer Hüpferlinge, jedoch keine Tigermücken nachgewiesen werden.

Was muss beim Einsatz der Hüpferling beachtet werden?


Diese Arbeiten wurden durchgeführt im Rahmen des Projektes "Stechmücken und stechmückenübertragene Zoonosen in Deutschland ( CuliFo 3)

